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Husch, husch, husch, die Eisenbahn!

SCHNEIDHAIN Kinder lassen sich beim Hüttenzauber kutschieren – Johanniskrautöl ist gut nachgefragt

VON ESTHER FUCHS

Holunderblüten stärken die Abwehrkräfte und helfen bei Erkältung. Johanniskraut wirkt als Tee stimmungsaufhellend und beruhigend. Johanniskrautöl lindert Muskelverspannungen. „Sie können es aber auch zur Narbenbehandlung anwenden“, erläutert Christiane Onneken und hat noch viel mehr Tipps auf Lager. Sie ist Phytotherapeutin, kennt sich mit Pflanzen und Kräutern und deren Wirkungen aus. Der Schneidhainer Hüttenzauber, vor der Heinrich-Dorn-Halle vom Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) veranstaltet, ist eine gute Gelegenheit, für natürliche Hausmittel zu werben.

HBV schafft ein Wohlfühlklima

Schnaufend dreht die Kindereisenbahn des Dampfbahnclubs Taunus (Oberursel) ihre Runden. Die Eisenbahner befeuern den Kessel der Lok – husch, husch, husch, die Eisenbahn! Die Wölkchen aus der Lok schieben sich zum Himmel, während Christiane Onneken ihre Tees, Öle, Gelees und Liköre erklärt. Die Pflanzen erntet sie hauptsächlich in Schneidhain. Johanniskrautöl läuft gut. „Da habe ich schon einige Fläschchen verkauft“, sagt Onneken und verweist dann auf ihre Beinwellsalbe für schmerzende Gelenke und gegen Muskelkrämpfe sowie die selbst genähten mit frischem Zirbenholz gefüllten Ruhekisschen. „Wenn Sie das ins Bett legen, schlafen Sie besser“, weiß die Kräuterfachfrau.

Lisa Dorn und ihre Mutter Petra hören zu. Ihre Hütte ist wieder mit jeder Menge Kunsthandwerk bestückt. Das Mutter-Tochter-Gespann sorgte mit selbst gemachter Bastelei wieder für Vielseitigkeit. „Selbstverständlich haben wir Tönies gebastelt. Darauf freuen sich die Leute“, sagt Petra Dorn. Ihre Tochter deutet auf die neuesten Modelle der kleinen Tontopfmännchen, die mittlerweile Sammlerwert haben. „Diesmal haben wir Schlüsselanhänger, kleine Laternen und neue Kunstkarten“, ergänzt Lisa Dorn. Kleine Tönies kommen besonders gut an. Engel, Fee, Schneemann, Koch und Schornsteinfeger. „Viele sammeln unsere Tönies und nehmen jedes Jahr eine Figur mit“, erläutern die Frauen.

Die Kerbeborsch bereiten Waffeln zu und Bombardino. Was um Himmels Willen ist Bombardino? Kerbevater Florian Selg erklärt: „Das ist eine Mischung aus Eierlikör und einem Schuss Rum mit Sahnehaube.“ Herzhafte Grundlage am Grill bilden die Steaks und Wildbratwürste. Manche Kinder beißen in die Wurst und rennen dann zur Eisenbahn. Die Preise sind in Schneidhain familienfreundlich, so dass auch eine zweite Runde mit der Lok möglich ist.

„Jeder soll sich hier wohlfühlen können“, sagen HBV-Vorsitzende Christine Grafe-Vidakovich und ihr Vize Oliver Ernst. „Unser Ziel ist es, alle Menschen am Ort einzubinden.“ Ernst ergänzt: „Schneidhain wächst. Es gibt Alteingesessene, die schon immer hier leben. Hinzu kommen die vielen Familien, die hierherziehen, weil sie den Stadtteil schätzen.“ Die Mischung stimmt beim Hüttenzauber, der besucht ist. Wer Süßigkeiten mag, belohnte sich mit einem Schneemann-Marshmallow von Bianca Högn, die mit ihrer Freundin auch Kekse gebacken hat.

Vereinsvorsitzende Grafe-Vidakovich lenkt den Blick auf den Weihnachtsbaumverkauf, der sich etabliert hat. Aus diesen Einnahmen unterstützt der HBV in diesem Jahr den Verein „Bürger helfen Bürgern“.

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Als die Bilder im Stadtteil laufen lernten

SCHNEIDHAIN – HBV zeigt bei Heimatkino-Premiere Filme von Hubert Müller aus dem Jahr 1973
Mittwoch, 22. November 2023, Taunus Zeitung / Lokales / efx

Das Popcorn riecht süßlich nach Karamell. Die Maiskörner platzen stilecht in der roten Maschine, so wie früher in den Kindertagen, als man gespannt vor der Leinwand den gepufften Mais knabberte oder sich nach der Werbepause das Eiskonfekt schmecken ließ. Es waren die goldenen Kinojahre mit vollen Sälen und ohne Couch-Streaming.

Am Sonntagnachmittag schien diese große Zeit der Cineastic noch einmal aufzuleben – allerdings nicht in einem Multiplex-Kino mit Dolby-Surround-Sound, sondern in der voll besetzten Schneidhainer Heinrich-Dorn-Halle. Dorthin hatte der Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) bei freiem Einritt eingeladen, um beim Heimatkino die Filmspule in das Jahr 1973 zurückzudrehen. Gezeigt wurden Filme, die der leider viel zu früh verstorbene Schneidhainer Hubert Müller gedreht hatte.

Der Schneidhainer hatte seine Kamera zu Lebzeiten immer dann draufgehalten, wenn etwas los war in Schnaadem – von der Kerb bis zum Fußballturnier.

Mittlerweile sind die Filme digitalisiert und nicht nur für Ur-Schneidhainer sehenswert, was der Blick in die Heinrich-Dorn-Halle unterstreicht. Junge sitzen neben älteren Stadtteil-Bewohnern, „Eingeplackte“ neben Alteingesessenen.

„Wir sind überwältigt“, betont Oliver Ernst angesichts der großen Resonanz. Man habe 200 Stühle gestellt, so der HBV-Vize, und alle werden gebraucht. Auch am Rand suchen sich Gäste noch freie Plätze. Es ist eine Hommage an die alte Zeit und an Hubert Müller.

„Für ihn war die Filmerei kein Hobby, sondern eine Leidenschaft“, sagt seine Frau Christel. Auch sie ist unter den Besuchern.

Jahrelang präsentierte Hubert Müller selbst seine Jahresrückblicke. Im Juni 1990 verstarb er viel zu früh. Mit nur 53 Jahren, berichtet die Witwe.

Durch seine Filme bleibt Hubert Müller jedoch lebendig. Ehefrau Christel übergab sie nach dem Tod an die Stadt. Zu besonderen Anlässen präsentierte sie danach Hermann-Josef Lenerz.

Am Sonntag ist es der HBV, der bei Popcorn, Eiskonfekt und Cola die Mitbürger empfängt, von Trends aus ’73 berichtet und Werbespots aus den Siebzigern zeigt. Danach startet der Film.

Oli Ernst hat recherchiert. Zum Warmwerden fragt er: „Wisst Ihr wer damals Bundeskanzler war?“ „Willy Brandt!“ ruft das Publikum. Auch den damaligen Fußballmeister kennen sie noch: „Bayer München, wer sonst?“ Schlagerstars waren Roy Black und Rex Gildo. Begehrte Mädchennamen: Nicole, Tanja, Daniela, Claudia. Jungs hießen Michael, Markus, Stefan oder Andreas.

„Beim Seniorennachmittag des Ortsbeirats im vergangenen Jahr haben wir bereits einen Jahresfilm vorgeführt und dazu positives Feedback erhalten“, erläutert HBV-Vorsitzende Christine Grafe Vidakovich die Motivation zur Veranstaltung.

Was war los in Schneidhain vor 50 Jahren? Die Aufführung des Märchenballs „Dornröschen“ und ein entgleister Triebwagen am Bahnhof bringen Erinnerungen zurück. Der Wanderzirkus in der Grundschule und der Auftritt des Kinderchors unter der Leitung von Peter Joseph Ernst sind auf der Leinwand zu sehen. Dazu die Vereinsmeisterschaft der Judoka, ein Fußballturnier, die Schnaademer Kerb, Hochzeiten, Stammtische, Trimm-Dich-Spiele, Rollschuhlaufen – wer damals ein kleiner Schneidhainer Steppke war, schmunzelt nun als Erwachsener über die Bilder. Nicht alle, die erkannt werden, sind heute noch da – das bringt das Leben mit sich. Doch die Erinnerung an sie bleibt, dank Hubert Müller und dank des HBV. Der möchte sich auch künftig für den Erhalt der Heimathistorie einsetzen.

Am Abend endet die Vorstellung mit tosendem Applaus. „Die Gäste waren restlos begeistert“, berichtet der Vorstand tagsdrauf. Der HBV-Testballon flog hoch und weit. Nächstes Jahr soll es deshalb wieder ein Heimatkino geben. Dann mit der Rückschau auf das Jahr 1974. efx

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Isländische Kiebitze beim „Schnaademer“ Fest

SCHNEIDHAIN – Beim Kerbe-Umzug stechen die Fahnenschwenker und ein alter Traktor hervor

VON ESTHER FUCHS

Das Klappern und Jubeln ist schon von weitem zu hören. Dazu mischt sich gut gelaunt die Musik der Egerländer Blaskapelle. „Schnaadem“ feiert. Die Kerbe-Mannschaft steht einsatzbereit am Ortseingang Schneidhain. Für den Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) lässt die Tradition mit dem Kirchweihe-Fest aufleben, die in der jüngeren Vergangenheit ins Hintertreffen geraten war.

Schon in den Vorwochen baten Florian Selg, den als „Kerbevadder“ alle nur „Blocki“ nennen, und die Helferschar, dass Anwohner auf der Zugstrecke die Häuser traditionell schmücken. Das Ortsbild prägen denn auch Birkenbaumäste, an Laternenmasten mit gelb-weißen Krepp-Bändern dekoriert. Auch gelb-weiße Fahnen flattern von den Dachgiebeln und an Mauervorsprüngen.

Aus den Fenstern schauen Schaulustige. Am Straßenrand sammeln sich die Menschen. Die Verkehrswacht riegelt die neuralgischen Verkehrsknotenpunkte für die Dauer des Umzugs ab. Marc Mohr von der Verkehrswacht Obertaunus ist entspannt. „Wir machen das ja nicht zum ersten Mal“, sagt er, während sein Auto „Im Hainchen“/Ecke Rossertstraße parkt. „Damit wird der Durchfahrverkehr unterbunden.“

Von der Senke am Ortseingang startet der Tross mit vielen fröhlichen Gesichtern. Den Anfang macht der Polizeileitwagen. Danach folgen die Egerländer mit bekannten Stimmungsmelodien. Ein restaurierter Feuerwehr-Oldie zieht den geschmückten Kerbebaum langsam vorbei am Wahrzeichen, der alten Schneidhainer Linde und schnaufend hoch die steile Wiesbadener Straße. Die Fichte, frisch aus dem Wald geholt, ist geschmückt in den Farben des HBV. Schwarz und orange sind die Farbakzente auf dem grünen Nadelkleid.

Den Schlagges zieht Dirk Ernst, Bruder von HBV-Vize Oliver Ernst. Mit dabei sind die beiden Kinder Jacob (5) und Eva (2). Die Familie hat den alten Agria-Trecker, Baujahr 1969, für die Kerb flott gemacht. Im Anhänger sitzt der Strohmann der Kerbeborsch und „blinzelt“ fröhlich auf die Schneidhainer am Wegesrand.

International wird die Zusammenkunft an der Ecke Wallstraße. Dort steht Ehepaar Hahl. Hallveig Hahl kommt ursprünglich aus Island, lebt aber mit ihrem Mann Martin schon ewig in Schneidhain. „Unsere Tochter Julia ist die Hofdame des Burgfräuleins Angelika I.“, erzählt Hallveig Hahl. Hinter ihr versammelt sich eine Traube Menschen. „Alles Familie“, sagt Martin Hahl und erklärt dann, dass die Schwägerin mit Mann und Maus extra für die Kerb angereist ist. Ein weiterer Teil der Familie, der mittlerweile in Belgien lebt, ist auch gekommen. Gesprochen wird in Englisch, Französisch und Deutsch. Besonders die kleinen Enkel machen große Augen, als die Kerbeborsch mit den Fahnen den Berg hinauflaufen. Moritz Grafe, Simon Wendt und Alexander Mühlbauer schwenken die riesigen, bemalten Leinentücher. Der Schweiß steht ihnen im Nacken, als der Umzug bei Familie Hahl kurz anhält. „Prost, Prost Kamerad“, singen die Kerbeborsch und greifen dann die gut gefüllten Bembel, verteilen Apfelwein aus Schneidhainer Streuobst, extra für die Kerb gekeltert, und wünschen „Prost, Prost. An den Kopf. Um den Kopf und in den Kopf!“

Die Isländer schmunzeln. „Kerb feiern wir in Island nicht. Wir haben andere Feste. Die meisten Isländer sind protestantisch, deshalb gibt es diesen Brauch wohl auch nicht“, erklärt ein isländischer Schwager auf Englisch.

Sein Name? „Sveein“. „In Anlehnung an die 13 „Jolasveinn“, die Wichtel, die in Island im Verlauf der 13 Tage, vom 12. bis einschließlich 24. Dezember, einzeln in die Siedlungen der Menschen kommen. Der Brauch geht dort auf eine lange Tradition zurück“, erläutern die Hahls.

Die Kerb geht vier Tage, ehe sie beerdigt wird.

Die Kerbeborsch schwenken die großen Fahnen, die den Aufdruck „2023“ tragen. KLEINES FOTO (oben): Die in Schneidhain lebende Isländerin Hallveig Hahl und ihre Familie schauen dem Treiben auf der Straße zu. FOTOS: fuchs

Die Jüngsten der Kerbegesellschaft laufen auch mit. Dahinter Dirk Ernst mit Tochter Eva auf dem Trecker von 1969, der den Schlagges zum Festplatz zieht.

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Schwuppdiwupp, und der Schlagges ist fertig

SCHNEIDHAIN – Ohne Stroh-Maskottchen geht bei der „Schnaademer Kerb“ nichts – Vorbereitungen laufen

VON ESTHER FUCHS – Taunus Zeitung vom 16.06.2023

Die blauen T-Shirts sind ihr Erkennungszeichen: Die Kerbeborsch und -mädscher haben den dickbauchigen Schlagges in ihre Mitte genommen. FOTO: esther fuchs

Unter dem weißen Hemd wölbt sich der dicke Bauch. Die Hosen sind zerschlissen. Die Stiefel schwarz. Der Kopf ist noch nicht ganz fertig. „Wartet, ich male ihm noch ein Gesicht. Dann sieht er freundlicher aus“, sagt Hannah greift zum Filzstift und malt, schwuppdiwupp, dem Schlagges noch Augen, Nase und Mund. Fertig ist der Strohknabe und bereit für den Umzug durch den Ort. Wenn diesmal Kerbewochenende ist, soll der Umzug besonders eindrucksvoll werden. Die Blaskapelle spielt. Mit Gesang, Baum und Schlagges ziehen die Kerbeborsch durch die Straßen. Jeder ist eingeladen, sich dem Lindwurm anzuschließen.

In der Rossertstraße, am Kerbeplatz sollen nach dem Umzug am Samstag Baum und Schlagges in luftige Höhe gezogen werden. „Er wacht dann über die Kerb und über uns Kerbeborsch, damit wir keinen Unfug machen“, erläutert Flo und grinst schelmisch. Im Garten seines Elternhauses kommen sie auch dieses Jahr wieder für die Vorbereitungen zusammen. Seit 2010 ist „Flo“, der eigentlich Florian Selg heißt, „Blockwart“ der Schneidhainer Kerbeborsch. Den Spitznamen erklärt er so: „Mein Elternhaus liegt hier im Wohnblock auf einer Anhöhe. Von hier aus sieht man alles und bekommt alles mit. Ich weiß also schon alle Geschichten, bevor sie die anderen erfahren.“

Tatsächlich beeindruckt Flo’s Garten mit einem rundum Panoramablick. Ihm und seiner Familie liegt der Ort quasi zu Füßen. Auch die Freunde sind immer wieder aufs Neue beeindruckt. „Wir stecken mittendrin in den Vorbereitungen“, verraten sie und hämmern, sägen oder bearbeiten mit dem Lötkolben eine Bierzeltgarnitur, so dass dort der Schriftzug 2023 sichtbar wird. Die jungen Leute unterschreiben noch, fertig ist einer der Tombolapreise, die teils hochwertig sind. „Auto Marnet spendiert ein Wochenende mit dem Campingbus“, verraten die Kerbeborsch. Auch Freikarten für Freizeitparks, wie den Heide Park in Norddeutschland oder die Schwarzlicht-Minigolfanlage in Frankfurt, sind unter den Gewinnen.

Mutter zeigt eine alte Anzeige herum

Im Schneidhainer Garten basteln sie auch an der Kerbefahne, deren Optik hier noch nicht verraten werden soll. Anna, seit 2007 aktives Kerbemädchen, nippt am Gerippten und erinnert sich beim Blick auf die Fahne an die Vergangenheit. „Jedes Jahr gibt es eine neue. Das Kirchweihfest hat in Schneidhain eine lange Tradition. Mein Vater war auch schon Kerbeborsch. Gefeiert wird das Fest ja eigentlich, um an die Weihe der Kirche zu erinnern.“ Annas Eltern helfen noch heute mit. Der Vater presst die Äpfel für den Apfelwein der Kerbeborsch. Die lesen jedes Jahr im Herbst auf den Schneidhainer Obstwiesen Äpfel. Auch dieses Jahr schmeckt der Apfelwein wieder fruchtig-frisch. Bei „Flo“ im Garten darf schon mal eine Probe verkostet werden.

Während Anna noch in Erinnerungen versunken ist, kommt Florians Mutter Petra dazu. Sie hat im Internet recherchiert und zeigt eine alte Anzeige aus der Zeitung, die im Stadtarchiv liegt. „Hier wird schon 1903 für das Kirchweihfest in Schneidhain mit Tanzbelustigung geworben“, sagt Petra Selg und zeigt die Anzeige auf ihrem Smartphone. Sie erinnert sich, dass die Kerb ursprünglich mal um die Linde am Ortseingang gefeiert wurde. Mittlerweile liegt der Festplatz an der Rossertstraße. Gefeiert wird wie früher. „Alle sind eingeladen!“, betonen die Kerbeborsch und -mädscher, auch die TZ-Leser,

Viertägiger Rummel beginnt nächsten Freitag – Für den Umzug sollen die Menschen ihre Häuser mit gelb-weißen Bändern dekorieren

Schon in wenigen Tagen wird in Schneidhain wieder „Schnaademer Kerb“ gefeiert. Der Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) organisiert das Fest. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung wurde nicht nur der alte Vorstand in Amt und Würden bestätigt. Die Mitglieder einigten sich auch darauf, die Tradition des Schneidhainer Kirchweihfests wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Der Kerbeumzug durch den Stadtteil soll diesmal besonders schön und größer als in den Vorjahren werden. Ansonsten bleibt sich der Verein treu und hält am bewährten Programm fest. „Wir freuen uns schon alle auf unsere Kerb und hoffen natürlich auf viele Besucher“, sagt HBV-Chefin Christine Grafe-Vidakovich, der in der Führungsriege Vize Oliver Ernst, Schriftführerin Lisa Dorn und Kassierer Jens Werner zur Seite stehen. Der Zeitplan der Kerb sieht wie folgt aus:

■ Die Kerb beginnt am Freitagabend, 23. Juni, um 18.30 Uhr mit dem Gottesdienst im Festzelt. Das steht wie gewohnt wieder an der Heinrich-Dorn-Halle.

■ Nach dem Gottesdienst öffnet der Rummelplatz. Ab 21 Uhr steht HBV-Vize Oliver Ernst persönlich als Discjockey am Mischpult. „Tanzen ist ausdrücklich erwünscht“, unterstreicht DJ Oli.

■ Am Samstag, 24. Juni, wird dann ab 15 Uhr der Kerbeumzug durch die geschmückten Straßen führen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn die Anwohner ihre Häuser mit gelb-weißen Bändern dekorieren. Denn auch das gehört zur Tradition“, ermuntert Lisa Dorn alle Anwohner mitzumachen.

■ Samstagabend spielt die Band BONGAZ zum Kerbetanz auf. Danach soll ausgiebig gefeiert bevor die Kerbeborsch in der Früh wieder ausrücken.

■ Ihr Weckruf beginnt am Sonntag, 25. Juni, um 10 Uhr. „Mit Gesang, Pauken und Trompeten ziehen sie durch Schneidhains Straßen, damit sich möglichst viele ihnen anschließen und zum Frühschoppen aufmachen“, kündigt der Vorstand an. Ab 11.30 Uhr spielt im Kerbezelt schon die Egerländer Blaskapelle.

■ Am Sonntag ab 14 Uhr treten die Tanzgarden des HBV auf. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

■ Eebenfalls am Sonntag (ab 18 Uhr) findet die große Tombola statt. Schon Schluss? Nein.

■ Am Montag, 26. Juni, gehen die Schnaademer in den Kerbe-Endspurt. Ab 17 Uhr ist After-Work-Kerb. „Ab 19 Uhr wird der Schlagges beerdigt und der Kerbebaum versteigert“, skizziert die Vereinsvorsitzende Grafe-Vidakovich.

Wer mag, kann sich an den vier Festtagen auch über die HBV-Spendenaktion „Schnaademer Sterne“ informieren. Es dauert zwar noch ein Weilchen bis Weihnachten ist, aber 13 Laternenleuchtsterne, die im Advent die Straßen illuminieren, konnten bereits dank der Spenden über die Stadt Königstein bestellt werden. „Es darf gerne noch mehr Beleuchtung geben“, findet Grafe-Vidakovichs Stellvertreter Oliver Ernst. Die Beleuchtung soll in den kommenden Jahren an der Wiesbadener Straße hängen um weitere Standorte in dem Königsteiner Stadtteil erweitert werden. efx

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Kleine Kuckuckshäuser kommen groß raus

SCHNEIDHAIN – HBV verabschiedet sich mit Kindersitzung aus der Kampagne

Taunus Zeitung vom 21.02.2023 / Esther Fuchs

Rappelvoll und knallig bunt präsentierte sich die Heinrich-
Dorn-Halle zur Kindersitzung. FOTOS: FUCHS

Das Mitmachlied ist schwungvoll und stimmt Klein und Groß auf den närrischen Nachmittag ein. Der Schneidhainer Heimat- und Brauchtumsverein feiert am Sonntag Kindersitzung mit allem, was dazugehört.

Tradition ist Pflicht – und so wird der große Tag der kleinen Narren klassisch mit Gong, Tusch und fröhlicher Musik eröffnet. Die Heinrich-Dorn-Halle ist sehr gut besucht und die Narrenschar ausnahmslos kostümiert. Selbst die Kleinsten liegen bei Mama als Bienchen oder Clown im Arm. Ältere Geschwisterkinder tummeln sich mit Cowboyhut oder Indianerfeder am Bühnenrand. Alicia Goncalves und Sarah Kipp begrüßen ihr Publikum mit lautem „Helau!“ Im Laufe des Nachmittags werden sie als Tänzerinnen und Moderatorinnen zu hören und zu sehen sein.

Das „Fliegerlied“ lässt die Stimmung gleich abheben und macht Lust auf mehr – von der Bühne, aber gerne auch von der Theke. Denn in der Küche zaubern die HBV-Aktiven Herzhaftes und Süßspeisen. Selbstverständlich dürfen auch die obligatorischen „Fastnachtskreppel“ nicht fehlen. Henri, Emilia, Marta, Greta und Johanna haben einen Sketch einstudiert. Auf der Bühne spielen sie eine „Schulstunde“ nach. Henri liegt auf dem Tisch und schläft im Unterricht. Was die Lehrerin dazu sagen wird? Die ist alles andere als entzückt und droht mit einer Beschwerde bei der Mutter. Henri setzt die Pädagogin wortreich matt.

Die Pointen im Sketch sind auf die jungen Zuschauer im Saal zugeschnitten. Johanna’s Papa Ralf hat die muntere Kinderschar motiviert und die Texte mit den Grundschülern einstudiert. Der Applaus nach der gelungenen Aufführung spricht für sich.

Gut gelaunt geht es tänzerisch weiter. Die HBV-„Bambinis“ haben ihre Matrosenuniformen angezogen und stechen auf der Bühne in See. „Aloha-he“ singen und tanzen die Kinder in blau-weißer Montur und geben nach einer Zugabe weiter an die Büttenredner Adrian und Max. Die berichten als Ältere im Doppelpack. Die „Schuljungs“ knöpfen sich Lehrer, Unterricht und Hofpausen vor.

Es wird geschunkelt und gelacht. „Der Zug, der Zug, der Zug hat keine Bremse“ – schallt es durch die Heinrich-Dorn-Halle. Die „Konfetti“-Garde des KV Schloßborn weiß das und tanzt für die Schneidhainer Kinder einen abwechslungsreichen Gardetanz.

Die „Sweet Angels“ des HBV übernehmen und wirbeln über die Bühne. Der Popsong „No Drama“ wird mit Modern-Dance-Einlagen gespickt und so zu einem besonderen Highlight.

Der Kindergarten Purzelbaum sendet einige Minuten später musikalische Grüße aus. Die Vorschulkinder haben mit Renate Ernst und Simone Spilling einen originellen Tanz vorbereitet. Als kleine Füchse bezaubern Jungs und Mädchen die großen und kleinen Kuckuckshäuser im Saal.

Im Sommer werden die Kinder in die Grundschule kommen. Dann werden sie sicherlich in der nächsten Kampagne bei den HBV-Tanzgruppen mitmachen. Denn die Schneidhainer Fastnacht ist bekannt dafür, ihre Balletts aus dem eigenen Nachwuchs zusammenzustellen. Passend dazu runden die Grundschulkinder in der HBV-Tanzformation „Lollipops“ den gelungenen Nachmittag ab. efx

Als kleine Füchse grüßten die Kinder des Kindergartens von
der Bühne der Narrhalla.

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