Schneidhain feiert Fastnacht mit lokalen Spitzen und sprudelnder Freude – Ein Moment des Innehaltens
Taunus-Zeitung vom 16.02.2026 von Esther Fuchs

Schneidhain – Mit einem gewaltigen Klang, Trommeln und treibenden Beats stehen die Fanfaren der Musik- und Show-Band mit ihrer Tanzformation Charisma auf der Bühne der Heinrich-Dorn-Halle. Im Saal ist die Stimmung bereits herrlich, und die silberfarbenen Dekorationen an der Decke wackeln im Takt. Kostüme leuchten, Glitzer funkelt. Die Hände schnellen nach oben zum Helau, als die Jungs von der Technik – Adrian Klinger, Jens Werner und Oli Ernst – nochmal die Regler ein bisschen höher schieben. Dann plötzlich erscheinen sie – wie von Zauberhand: Marco Montana und Michael Pfeil. Das Prädidentenduo, das auch diese Kostümsitzung des Heimat- und Brauchtumsvereins mit sprudelnder Freude moderieren wird. „Die Fanfaren und ihre Tänzerinnen konnten dieses Jahr nicht durch die Halle einmaschieren. Die Gruppe ist enorm gewachsen“, erläutert Pfeil und holt Dieter Giese, Chef der Musik- und Show-Band herbei, der sodann von den Erfolgen seiner Truppe und den Auftritten in Frankfurt berichtet.
Mit Charme begrüßt Montana die Delegation der Königsteiner „Plasterschisser“, die mit Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko nebst Gatten, Erstem Stadtrat Jörg Pöschl und anderer Politprominenz Platz genommen hat. „Zur fünften Jahreszeit wird Schneidhain zu Kuckuckshausen“, ruft Michael Pfeil augenzwinkernd, und der Kuckuck sieht alles. Die HBV-Balletts strömen von allen Seiten hinein. Ziel: die Bühne. Die Lollipops, die Jüngsten im Verein, entführen mit braunen Tüllröcken und Löwenmähne in die Welt des „Königs der Löwen“. Der Nachwuchs ist auf zack.
Der „Leihpfarrer“ aus Falkenstein
Die Präsidenten sorgen für eine Überraschung. „Wo ist denn der Marco?“, fragt Pfeil plötzlich, als es auf das närrische Protokoll, das die beiden gemeinsam vortragen, zugeht. Pfeil sucht und sucht – schwupps! Da ist er: Marco Montana steht im aufblasbaren Kuckuckskostüm neben ihm, er erzählt munter von der überraschenden Wahl der Maikönigin am Falkensteiner Weinfest: „Wir konnten es nicht glauben, wir trauten nicht mal unseren eigenen Augen – denn keine Falkensteinerin trat stolz nach vorn hin, nein, es war die Ernste Julia aus dem Unterort, mittendrin.“ Michael springt auf den Zug auf. In Schneidhain passiert einiges: „Traditionell startet die Kerb mit einem Gottesdienst. Doch im letzten Jahr war der echte Pfarrer gar nicht da. Der Falkensteiner Ortsvorsteher Walter Schäfer ist dann einfach eingesprungen und hat als ,Leihpfarrer‘ gepredigt und gesungen.“ Zur Ortsvorsteherwahl: „Wir hoffen, dass der Neue nicht größenwahnsinnig wird.“
Die Bambini verzaubern mit einer Reise unter das Meer. Die „Plaschis“ schicken ihr „Duo Gnadenlos“ Nicole Hülsmann/Ela van der Heijden auf die Bühne. Zum Glück geht es den Stimmungskanonen wieder gut. Denn Ela hatte sich zu Beginn der Kampagne blitzschnell auf Blitzeis das Bein gebrochen, musste erst operiert werden. Jetzt sind sie da. Die Witze? Manchmal schlüpfrig, immer gewaschen! „Warum haben Slipeinlagen immer so komische Namen, wie Sofie oder Laura?“, fragt Nicole und wünscht sich – uiuiui – lieber „Herbert“ zwischen den Beinen. Auch den Unterschied zwischen Beach- und Bitchvolleyball erklären sie. Die Sweet Angels bringen mit ihrer Interpretation von „The Greatest Showman“ Zirkusmagie in die Halle, während Gerald Denis als Elvis mit Hüftschwung und Rock’n’Roll die Halle beben lässt. Die Kuckucksweiber legen mit Rockabilly und Petticoat nach. Die Schnaadem City Girls bringen mit ihrem Pitbull-Medley richtig Wumms mit.
Moritz Grafe und Jens Werner nehmen im Zwiegespräch Oma Adele und die Tücken des Älterwerdens aufs Korn. Das Männerballett „Schwitzi and die Weight Watchers“ ist der Hit aus bella Italia. Azzuro und Felicità in der Narrhalla. Mit Amore liegen sich alle in den Armen.
Dazwischen gibt es einen stillen Moment, an dem die gut gelaunten Narren aus traurigem Anlass innehalten. Der diesjährige Ordensspender und mit Königstein und den Ortsteilen verbundene Unternehmer Christoph Schwarzer ist im Januar dieses Jahres unerwartet gestorben (TZ vom 15. Januar). Ihm gedenken sie. Der Orden zeigt Schneidhains Wahrzeichen, die Linde. Fazit? Auch in „Schnaadem“ verstehen sie sich darauf, Fastnacht zu feiern. Und der Kuckuck hat´s gesehen.
