Eine Zeitreise ins „Schnaadem“ des Jahres 1974
Taunus-Zeitung vom 05.11.24 – von ESTHER FUCHS

Taunus-Zeitung vom 05.11.24 – von ESTHER FUCHS
Heimat- und Geschichtsverein zieht positive Bilanz der „Schnaademer“ Kerb
von ESTHER FUCHS – Taunus Zeitung vom 26.06.2024
https://hbv-schneidhain.de/wp-content/uploads/2024/07/240626-TZ-Auf-diese-Truppe-ist-Verlass.pdf
Königsteiner Woche vom 15.05.2024 von Alexander Schramm
Dienstag, 13. Februar 2024, Taunus Zeitung / Lokales
Luftschlangen, Luftballons, strahlende Gesichter und ein Bühnenprogramm von Kindern für Kinder. Eltern und Großeltern sind natürlich erlaubt. Doch schnell ist klar, wer am Sonntag das närrische Zepter in der Hand hält – der Nachwuchs gibt in der Heinrich-Dorn-Halle den Ton an! Der Heimat und Brauchtumsverein (HBV) lädt zur Kindersitzung ein.
Der Panzerknacker schunkelt mit dem Agenten. Der Polizist ruft Helau. Die Prinzessin rückt ihr Krönchen zurecht und staunt über die Kostüme der Garden und Schautänzerinnen auf der Bühne.
Viele Umarmungen und ein paar Tränen
Das Sitzungsprogramm steht dem der Erwachsenen in nichts nach. Nachwuchssorgen brauchen die Schnaademer nicht zu haben. „Lollipops“, „Bambini“, „Sweet Angels“ sind die jüngsten HBV-Eigengewächse. Befreundeten Tanzgruppen mischen mit. Die Schloßborner Garden sind angerückt. Nicht nur als fetzige Funkenmariechen sorgen sie für Kurtweil. Auch mit anderen Tanzdarbietungen lösen sie Begeisterungsstürme aus.
Die jungen HBV-Moderatorinnen Sarah und Alicia sind kostümiert, gut gelaunt und vorbereitet auf den Nachmittag. Das Narrenschiff manövrieren die beiden jungen Damen sicher durch den Konfetti-Ozean. Zum Warmwerden wird geklatscht.
Danach steigt Tiago, ein Neuling, als Redner in die Bütt. Der Zehnjährige nimmt die Erwachsenen aufs Korn. „Die meisten wissen es wahrscheinlich. Eltern, die sind oberpeinlich. Meine, die sind wirklich nicht zu loben. Ich denk mir, in meinem Kopf da oben: Sie müssen es doch checken, so Oldies, die müsste man verstecken.“ Tiago stichelt munter: „Meine Mutter, sonst auf Zack, hat, ich geb’s zu, zwar Geschmack.“ Doch die Kleidergröße „entspricht nicht mehr der Norm. Liegt wohl an ihrer Körperform.“ Die Premiere in der Bütt glückt.
Der Nachwuchs ist schon warm gefeiert. Aber die Moderatorinnen ahnen: „Da geht noch mehr.“ Also? „Kommt, lasst uns tanzen!“, rufen Sarah und Alicia. „Sascha, spiel’ doch bitte mal etwas zum Schunkeln!“, ermuntert Sarah den Mann am Keyboard und hakt sich bei Alicia ein. Sascha ist für die Musikeinlagen zuständig und macht, was die Jugend wünscht.
Die HBV-Lollipops tanzen ihren Candy-Tanz und lösen große Emotionen aus. Die Trainerinnen Katrin Weck, Lena Dorn und Lisa Büttner verdrücken im Anschluss ein Tränchen. Nach über zehn Jahren hören Lisa Büttner, kürzlich Mutter geworden, und Katrin Weck auf. Mit einem Geschenk und vielen Umarmungen gehen sie von der Bühne.
Wer schafft es, Jung und Alt mit witzigen Pointen und ganz ohne Lampenfieber zu begeistern? Henri und Johanna sind das Dreamteam und närrisches Zweigestirn mit Bühnenerfahrung. „Schneidhain sucht das Super Brain“, also das Superhirn, lautet ihre Parodie auf „Deutschland sucht den Superstar“. Die beiden Zehnjährigen mimen den Quiz-Kandidaten „Herr Schlauberger“ und „Frau Jauch“. „Wo kommen Sie her?“, fragt Johanna Jauch, die Quizmasterin. Henri Schlauberger, antwortet: „Von da vorne, aus der ersten Reihe!“ Eigentlich komme er ja aber aus einem Dorf, „aus Düsseldorf“, ergänzt er noch. Die Kinder lachen. Henri wird zum einstimmig Quiz-Champion gekrönt.
Mit fetzigen Rhythmen zeigen die Tänzerinnen der Schloßborner Minigarde ihren Showtanz und wechseln während der Aufführung sogar die Kostüme. Hebefiguren? Spagat? Das schaffen die Gardistinnen mühelos. Die HBV-Sweet Angels legen noch eine Schippe drauf. Der Kindergarten Purzelbaum grüßt musikalisch, und die kleinsten Sternchen der Schloßborner Fassenacht entzücken mit Taft und Tüll. Die HBV-Bambini leiten das große Bühnenfinale ein. Alle Protagonisten zeigen sich im Konfettiregen noch einmal dem Publikum. Mit einer Polonaise fliegen die Löcher dann zum Schluss durch den Käse. Nächstes Jahr feiern sie wieder Schneidhainer Kindersitzung. Das beschließt der Nachwuchs noch am selben Nachmittag.
Montag, 12. Februar 2024, Taunus Zeitung / Lokales
Michael Pfeil (r.) und Marco Montana sind die beiden Präsidenten des HBV. Dreimal standen sie als Protokoller in der Bütt’ und nahmen das Ortsgeschehen auf die Schippe. FOTOs: efx
Wer sagt, nur Mainzer könnten Fastnacht? Wer glaubt, nur Kölner hätten tolle Tanzgruppen? Wer meint, großartige Sitzungen finden nur in großen Städten statt? Ein Narr, der das denkt. 2025 sollten sich alle Karnevals-Fans ein Eintrittsticket für die Schneidhainer Fassenachts-Sitzung kaufen. Ein guter Rat: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Es gibt nur begrenzt Plätze und die Karten sind in der Regel im Handumdrehen weg. Der Heimat- und Brauchtumsverein (HBV), unter dessen Fittiche in Schaadem (Schneidhain) Fassenacht gefeiert wird, brauchte nämlich wieder nur ein paar Stunden, um alle Plätze in der Heinrich-Dorn-Halle loszuwerden. Im Ortsteil wissen sie, wie närrischer Frohsinn geht und feiern kräftig.
So auch am Wochenende zum nunmehr 46. Mal. Auf der Bühne der Kostümsitzung standen Dr. Michael Pfeil und Marco Montana als närrisches Zweigestirn. Beide hatten den Kuckuck losgeschickt. Der gefiederte Spion flüsterte ihnen, was in Schneidhain vergangenes Jahr passiert ist. Und so waren Pfeil und Montana gleich dreimal als Protokoller-Duo in der Bütt beziehungsweise am Notenständer. Mit genauer Beobachtungsgabe wurden private Erlebnisse und politische Themen aufgeworfen. Der Kuckuck grüßte Noch-Bürgermeister Leonhard Helm (CDU). Rückblickend auf die Renovierung der Heinrich-Dorn-Halle sagte Michael Pfeil: „Ich hatte damals in der Bütt „’nen Helm auf und war für Sicherheit. Auf die Helm-Pflicht habe ich hingewiesen. Das war gescheit. Die Hall ist fertig. Helm-Pflicht ist nicht mehr angesagt.“
Marco Montana dazu: „Lieber Leo, zu Ende geht nun Deine Zeit. Hörtest uns oft zu und warst für jeden Dialog bereit.“ Und dann: „Nadja oder Beatrice, wer bekommt den Gewinn? Wer wird bei der Stichwahl erste Bürgermeisterin?“ Diese Frage soll sich am kommenden Sonntag entscheiden. Und ganz gleich, wer ins Amt gewählt würde. „Ein paar Spitzen an die Politik“, die gehörten auch in Zukunft zur Schneidhainer Fastnacht, warnten die Protokoller augenzwinkernd und widmeten sich dem „Neubaugebiet auf dem Donath-Gelände“ und dem „neuen Feuerwehrhaus an der Wiesbadener Straße“.
Die Kurstadtnarren bewunderten Pfeil und Montana für ihren WBWBBO, den Woogbachwasser-Baabambeler-Orden. Die „Plasterschisser“ (Plaschis) verliehen ihn zum dritten Mal einem Schnaademer. Die Plaschis besuchten als große Abordnung die Schneidhainer Narrhalla, so wie zuvor die Schneidhainer bei den Plaschis in Falkenstein zu Gast gewesen waren. HBV-Vize Oliver Ernst erhielt nach Karl-Ludwig Pfeil und Evelina Eberling den Orden. „Er musste sei Baacher in den Eimer mit Wasser halle (halten)“, erinnerten sich die Protokoller.
Die Schneidhainer verliehen auch selbst wieder glänzende Orden, dank der Generosität der Urortsteilfastnachter Renate und Karl-Ludwig Pfeil. Die Eltern des Sitzungspräsidenten hatten die Orden gesponsert. Sohn Michael wurde die Narretei sozusagen mit der Muttermilch mitgegeben. Vater „Karlu“ tanzte 1976 im Männerballett, trat „79 dem Elferrat bei. Von 1994 bis 2015 war er Sitzungspräsident, bis 2016 Sohn Michael das närrische Zepter übernahm, erinnerten sie sich. Ehepaar Pfeil Senior wurde mit dreifach donnerndem Helau und einer Stimmungskanone gedankt.
Aufblasbare Kuhkostüme
Kurzweilig ging es mit Tanz, Reden, Show, Musik und Kokolores weiter. Die Mushoba sorgte für Stimmung. Burgfräulein Jessica I. verlieh dem Abend royalen Glanz. Die Schlossborner Garde marschierte in großer Zahl auf. Die jüngsten HBV-Tänzerinnen, die „Lollipops“ erhielten für ihren Auftritt Standing Ovations. „Eine Zugabe? Bühne frei für die Lollipops“, kam Michael Pfeil dem Wunsch gerne nach. „Candyman“ von Christina Aguilera interpretierten die jungen Tänzerinnen in Tüll und mit selbst gebastelten Riesenlutschern. Danach: Das Plaschi-Duo Gnadenlos Ela van der Heijden und Nicole Hülsmann, die schnell noch eine Showtreppe einforderten. Königsteins Erster Stadtrat und Sportdezernent Jörg Pöschl (CDU) improvisierte mit einem Stuhl und seiner Muskelkraft. Die Rednerinnen dankten Pöschl und legten los. Mit gendergerechter Gebärdensprache und Hunger auf ein „Zigeunerschnitzel“. „Das darf man doch nicht mehr sagen!“. Aber essen doch schon, oder? Auf alle Fälle würzig war der folgende Tanz der „Bambinis“. Im Auge des Tigers und Survivers „Eye oft the Tiger“ boten sie eine tolle Show. Die „Sweet Angels“ holten Vanessa Mai und „Venedig“, Gerald Dinies Elvis und die Stadt der Spieler „Viva Las Vegas“ nach Schneidhain. Die „3 lustigen 4“ übermittelten musikalische Grüße aus Kronberg. Dazu ein Tusch für Siegbert Sturm und seinen Musikvortrag. Moritz Grafe und Jens Werner parodierten die beiden Sitzungspräsidenten. Die Schnaadem City Girls trugen aufblasbare Kuhkostüme. Derer entledigten sie sich aber schnell und fetzten als „Cotton Eye Joe“ in Hotpants übers Parkett. Die Kuckucksweiber, Frauen im besten Alter, zündeten mit „Relight My Fire“ die Rakete zum Finale. „Schwitzi & die Weightwatchers“ brachten den närrischen Kessel fast zum Überlaufen. Gefeiert wurde dann auf der Bühne und im Saal bis in die späte Nacht. Helau Schnaadem. Der Kuckuck freut sich schon auf nächstes Jahr!
SCHNEIDHAIN – HBV eröffnet mit Fastnachtsfrühschoppen seine Kampagne – Sitzungen ausverkauft
Mittwoch, 07. Februar 2024, Taunus Zeitung / Lokales / Esther Fuchs
Die Bambinis des HBV tragen nicht nur fetzige Kostüme, sondern zeigen auch einen fetzigen Tanz. FOTO: Efx
Es ist Sonntagvormittag, und alle Tische sind belegt. Kinder rennen als Prinzessin, Clown, Indianer oder Pippi Langstrumpf durch die Heinrich-Dorn-Halle. Die Musikanlage bespielt den Saal. „Da steht ein Pferd auf’m Flur. Ein echtes Pferd auf’m Flur“ singen „Klaus & Klaus“ durch die Lautsprecher. Auf den Stühlen schunkeln und wippen die Besucher im Takt. Die diesjährige Fastnachtskampagne steht unter dem Motto: „In Schneidhain sind die Narren los“. Der Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) startet in die fünfte Jahreszeit.
Andere haben ihr Sitzungsprogramm bereits hinter sich. In Kuckuckshausen, wie Schneidhain während der närrischen Zeit heißt, zünden sie am Sonntag die Fastnachtskanone Stufe eins. Stufe zwei, die Kostümsitzung, und Stufe drei, die Kindersitzung, folgen am 10. und 11. Februar. Vorweg: Sowohl die Erwachsenen- als auch die Kindersitzung sind ausverkauft.
Am Sonntag feiern sie sich zur Kampagneneröffnung warm. Auf der Bühne moderiert das närrische Zweigestirn, die beiden Präsidenten Michael Pfeil und Marco Montana. Wo sonst gibt es gleich zwei Präsidenten? Gott Jokus applaudiert bei so viel Engagement für die Narretei, und der Kuckuck lacht von seinem Platz über der Bühne ins Publikum.
Tanzgruppen sind Stolz des Vereins
Der HBV hat viele Stars. Die Tanzgruppen sind der Stolz des Vereins. Viele Mädchen und Frauen haben wieder fleißig trainiert. Zur Kampagneneröffnung geben sie eine Kostprobe. Das interessiert auch das neue Burgfräulein, ihre Lieblichkeit Jessica I., die der Veranstaltung royalen Glanz verleiht.
„Wie schön. Ich freue mich auf die Auftritte“, sagt eine Mutter. Während sie noch Karten für die große Kostüm- und Kappensitzung ergattert hat, hatten andere weniger Glück. „Schade, wir waren zu spät. Gut, dass wir heute hier sind“, berichtet beispielsweise Ingrid Wachendorff, die viele Jahre lang in der Schneidhainer Grundschule „Am Kastanienhain“ unzähligen Kindern die Welt der Mathematik erklärt hat. Die Kinder auf der Bühne kennt die Sozialpädagogin.
Im Akkord werden frische Waffeln gebacken und mit ordentlich Puderzucker bestreut. Dazu gibt es am Ausschank für die Kinder Wasser, Schorle oder Limo. Die Erwachsenen stoßen mit Prosecco an. In der Küche braten deftige Schnitzel in mehreren Pfannen. Serviert werden sie mit Kartoffelsalat. Mit 80 verkauften Schnitzeln haben sie kalkuliert. Zu wenig, wie sich schnell herausstellt. Auch von den 20 Kilogramm hausgemachten Kartoffelsalats wird nichts übrig bleiben. In Schneidhain wird noch richtig gut gekocht. Auch das hat Tradition und ist bekannt. „Alles weg!“, ruft Kalli Vidakovich vom HBV durch die Durchreiche.
Seine Frau, Christine Grafe-Vidakovich, Vereinschefin des HBV, steht da mit dem Vorstand und Trainerinnen auf der Bühne. „Wir wünschen Euch allen ganz viel Spaß und danken Euch und allen Helfern!“, rufen sie. Dann: Ein Tusch. Helau! Die Präsidenten kündigen den nächsten Auftritt an. Nach den Kuckucksweibern und Sweet Angels präsentieren die Bambini ihren Showtanz im pinkfarbenen Tutu. Die Lollipops legen später zuckersüß nach.
Am Nachmittag wird auch die Kuchenbar leer sein. Nächstes Wochenende steht Kuckuckshausen dann richtig Kopf. Schnaadem, helau! efx