Stadtteil-Fastnacht wird eingelagert

Aktuelles zur Corona-Situation vom HBV

Samstag, 19. September 2020, Taunus Zeitung / Lokales

SCHNEIDHAIN – Covid verdirbt HBV die fünfte Jahreszeit – Faschingssonntag Ende Juni 2021

Das Holzschild hinter dem Glasfenster am Hintereingang der Schneidhainer Heinrich-Dorn-Halle macht neugierig. Seit kurzem befinden sich dort die Vereins- und Lagerräume des Heimat- und Brauchtumsverein, HBV.

Jeder, der das Leben im Stadtteil kennt, weiß, wie sehr sich der HBV hier einbringt. Die vielen vom Verein ausgerichteten Feste zu allen Jahreszeiten haben zu einem stattlichen Bestand an Material und Deko-Artikeln geführt, die es an zentraler Stelle zu lagern gilt.

Dort, wo früher die Schneidhainer Kegelbahn war, befinden sich nun die HBV-Lagerräume. Die vergangenen Wochen und Monate nutzten die HBV-Mitglieder noch für ausstehende Renovierungsarbeiten. Sie haben ja Zeit – leider. Viel lieber würden sie das tun, was in ihrer Vereins-DNA veranlagt ist – nämlich Feste organisieren und vor allem auch feiern. Aber das ist in Corona-Zeiten kaum möglich.

Martinsumzug, Hüttenzauber, Fasching und Kerb sind in weite Ferne gerückt. Girlanden, Styroporclowns, Gläser und die große Festzeltgarnitur müssen eingemottet bleiben. Fein säuberlich in beschrifteten Kisten natürlich.

Denn einen kleinen Funken Hoffnung hat der HBV. Zwar ist die Fastnachtskampagne in Abstimmung mit dem Sitzungspräsidenten, dem Elferratsvorsitzenden, den Balletttrainerinnen und den Büttenrednern bereits abgesagt.

Hoffen auf Hüttenzauber

Doch vielleicht klappt es ja wenigstens mit dem Martinsumzug oder einem Corona-konformen Hüttenzauber. Schließlich findet beides ja im Freien statt. Hilfe erhofft man sich von städtischer Seite. Dort haben die Verantwortlichen des HBV bereits nachgefragt, ob überhaupt und wenn ja unter welchen Umständen im Stadtteil gefeiert werden dürfte.

“Wir wollen selbstverständlich kein Corona Hotspot werden”, betont Christine Grafe-Vidakovich, die Vorsitzende des Vereins. “Corona hat uns, wie allen Vereinen, einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht”, seufzt auch ihr Vize, Oliver Ernst. Die Lage sei ernst und die Verantwortung groß.

Der Hüttenzauber könnte nach Aussage der Organisatoren auf das weitläufige Sportfeld neben der Heinrich-Dorn-Halle verlegt werden. “Der Kuckuckstreff, den wir ja sonst nutzen, bietet vor dem Hintergrund der Pandemie viel zu wenig Platz”, erklärt Grafe-Vidakovich.

Wenn zu viele Aktivitäten ausfallen, so die Sorge der Vorstandsmitglieder, könne das Vereinsleben auf Dauer “leiden und auseinanderfallen”. Zusammenhalt und Gemeinschaft seien wichtige Antriebskräfte erfolgreicher Vereinsarbeit.

Auch deshalb habe man in kleinen Gruppen die Vereinsräume renoviert. “Wir haben Teile des Fußbodens erneuert, Wände gespachtelt und Regale aufgebaut”, blickt Oliver Ernst zurück. Der Verein plane die Räume nach Covid-19 nicht nur zu Lagerzwecken, sondern auch für Sitzungen zu nutzen, ergänzt Kassierer Jens Werner.

Der Ausfall der Kerb am letzten Juniwochenende hinterlässt ein Loch in der Vereinskasse. Der HBV trotzt den finanziellen Einbußen mit einer originellen Geschäftsidee. Man hat für die kalte Jahreszeit Schild- und Wollmützen mit dem Vereinslogo fertigen lassen. Sie kosten 10 Euro pro Stück, kleiden den Träger und beweisen Vereinstreue. Die Idee kommt an.

“Die Mützen der ersten Bestellung sind bereits verkauft. Das ist schon die Nachbestellung”, freut sich Grafe-Vidakovich mit Blick auf eine große Pappkiste.

Für die Kerb im nächsten, hoffentlich weitgehend Corona freien Sommer plant der HBV mit einem besonderen Schmankerl. “Wir wollen am 27. Juni einen ‘Faschingssonntag’ feiern. Dann sollen unserer Faschingsballetts ihr Können präsentieren”, blickt die Vorsitzende zuversichtlich nach vorn.

von Esther Fuchs